Was bedeutet Hyperhidrose (Hyperhidrosis)?

Hyperhidrose (Kurzform: HH, lateinisch: Hyperhidrosis)
Definition: die krankhaft und unkontrollierbar gesteigerte Form des Schwitzens (örtlich oder den gesamten Körper betreffend)

Schwitzen ist normal und sogar gesund – aber in welchem Masse?

Schwitzen ist eine thermoregulatorische Funktion des Körpers. Es tritt normalerweise bei körperlicher Anstrengung, starker emotionaler Anspannung oder fiebrigen Erkrankungen auf.

Übermäßiges Schwitzen kann symptomatisch für eine Schilddrüsenfehlfunktionen, neurologischer Erkrankungen, Störungen des Hormonhaushalts (auch bei der Einnahme von Medikamenten oder der Therapie hormonaktiver Krebsarten), Fettsucht, psychische Erkrankungen oder klimakterische Beschwerden (Wechseljahre) sein. In diesen Fällen spricht man von einer sekundären Hyperhidrose.

Wenn Sie also bei sich selbst eine Hyperhidrose vermuten sollten Sie auf jeden Fall den Gang zum Haus- oder Hautarzt nicht scheuen. Viele Ärzte handeln im Umgang mit der HH doch recht zweilfelhaft, könnten aber gegebenfalls eventuell vorhandene Grunderkrankungen erkennen!

Die Aussonderung von Schweiss gehört dabei unabdingbar zu den Grundfunktionen unseres vegetativen Nervensystem und dient natürlich in erster Linie der Kühlung des Körpers. Insbesondere bei starker Hitze, sportlicher Aktivität oder unter starken Stress-Situationen neigt nahezu jeder zu sichtbaren Schweißrändern (an Shirt, Bluse, Hose, Socken) oder auch wahrnehmbarer Geruchsbildung. Betroffene Körperregionen sind in den meisten Fällen (absteigend nach Häufigkeit) die Achselhöhlen, Füße, Hände, Gesicht, Rücken, Po und Beine.

Reguliert wird das Schwitzen durch das sympathische Nervensystem, welches ein Teil des vegetativen Nervensystems ist. Bei einigen Menschen (etwas weniger als 1% der Gesamtbevölkerung) ist diese Steuerung ohne erkennbare Grunderkrankung gestört und das System arbeitet auf zu hohem Niveau. Sie leiden unter idiopathischer Hyperhidrose (= übermäßiges Schwitzen), die meist schon in früher Kindheit beginnt, unbehandelt ein Leben lang erhalten bleibt und ihren Höhepunkt in der Pubertät, dem frühen Erwachsenenalter oder während der Wechseljahre hat.

Die Hyperhidrose beschränkt sich zumeist auf einzelne oder mehrere Körperregionen (Hände, Füße, Gesicht, Achselhöhlen, Rumpf). Ausgelöst werden solche Schweißattacken durch erhöhte Außentemperatur, teilweise aber durch banale emotionale Reize.
Im Extremfall sind die Hände naß, kalt und abtropfend, die Füße durchweichen Socken und Schuhe und der Achsel- und Rumpfschweiß durchtränkt die Kleidung.

Die Probleme unter Hyperhidrose leidender Menschen liegen im sozialen und arbeitsmedizinischen Bereich und sind für Nichtbetroffene (leider auch für viele Ärzte) nur schwer nachvollziehbar. Wer ständig nasse Hände hat, meidet aufgrund des oft unausweichlichen Händedrucks den Kontakt mit Menschen und fühlt sich schon bei der Partnersuche gehemmt. Ein nasser Händedruck suggeriert Unsicherheit und Ängstlichkeit, auch wenn dies bei Hyperhidrose-Patienten in den seltensten Fällen zutrifft.

Scheinbare psychische Instabilität ist in der Regel nicht Auslöser, sondern Folge extremer Schweißbildung. Außerdem behindern nasse und nicht selten abtropfende Hände im Berufsalltag beim Umgang mit Werkzeugen, Papier, Metallen oder Schreibgeräten, so dass der Betroffene seine Berufswahl unter Umständen nach seiner Krankheit richten muss.

Personen die unter Hyperhidrose leiden fühlen sich unabhängig davon zumeist in ihrem beruflichen und privaten Leben massiv eingeschränk, denn sie schwitzen in den unmöglichsten Situationen (temperaturunabhängig, sogar bei starker Kälte). Der daraus resultierende psychische Druck ist extrem und kann bisweilen sogar bis zu ernsthaften Gedanken an Selbstmord führen!

Dabei befindet sich der Betroffene in einem Teufelskreis:
allein die Angst vor dem nächsten Schweißausbruch führt häufig wiederum zum verhassten Schwitzen.


Aber wie bereits erwähnt ist die Hyperhidrose in den wenigsten Fällen allein auf psychische Schwächen oder Angstzustände zurückzuführen. Sehr häufig wird dieses Krankheitsbild sogar einfach von Generation zu Generation weitervererbt (primäre Hyperhidrose, also ohne auslösende Grunderkrankung) und trifft ebenso starke, gefestigte Charaktere.

Die Krankheit an sich ist viel stärker verbreitet als viele annehmen da sich sehr viele Betroffene einfach verstecken und sich nicht trauen über ihre Problem und die damit verbundenen Einschränkungen zu sprechen oder sich auch nur darüber zu informieren. Dabei kann das Internet sehr viele Informationen und Hilfe bieten. Denn; allein in Deutschland geht man von knapp einer Million Betroffener aus!

 


Linktipp: Eine sehr ausführliche Beschreibung finden Sie auch bei Wikipedia