Meine Leidensgeschichte:

Ich bin 26 Jahre alt und leide seit meiner Kindheit unter Hyperhidrose an Händen, Achseln und Füßen. Meine Hände und Füße fühlen sich zudem oft regelrecht "nasskalt" an. Bereits in der Schulzeit habe ich als Linkshänder oft meine eigene Schrift verwischt, so dass mir die Hyperhidrose schon sehr früh Sorgen bereitet hat.

Ursachen wie eine Überfunktion der Schilddrüse als Auslöser oder Grund der Hyperhidrose wurden bei mir ausgeschlossen.

Bisherige „konventionelle“ Behandlungen bei mir:

- Iontophorese für die Hände und Achseln mit eigenem Gerät für zu Hause (Idromed PS)
- Lösungen zum auftragen auf die Haut für Hände und Achseln, angefangen von normalen Deos wie Hidro Fugal, bis hin zu starken Lösungen mit einem max. Aluminium Clorid Anteil von 30% (Spezialanfertigungen aus der Apotheke, Yerka, AHC 30 Forte)
- Medikamente zum einnehmen (Vagantin)

Alle Behandlungsformen sind bei mir erfolglos geblieben.

Im Erwachsenenalter hat mich die Hyperhidrose dann immer stärker gestört. Das Schwitzen tritt bereits bei kleinsten Stresssituationen verstärkt auf (z.B. beim Besuch einer Vorlesung in der ich schon mehrfach war und mich eigentlich ganz entspannt fühle) oder beim Ausgehen. Meine gesamte Lebensqualität ist dadurch stark eingeschränkt und der seelische Leidensdruck ist enorm. Für das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein ist dies natürlich auch alles andere als förderlich. Darüber hinaus, habe ich nie das Gefühl frei und unbeschwert auf andere Menschen zugehen zu können, da ich immer denke, diese könnten die Schweißflecken unter den Armen oder die feuchten Hände bemerken. Am Meisten stört mich das Schwitzen an Händen und Achseln, mit dem Schwitzen an den Füßen kann ich hingegen gut leben.

Letzte Hoffnung war für mich eine „Thorakale Sympathektomie“ an der Uni Klinik in Kiel.

Nach einem jahrelang aufgestautem Leidensdruck, reichlicher Überlegung und Abwägung der Chancen und Risiken der OP, habe ich mich entschieden diese OP durchführen zu lassen.

Am 10.08.2009 war es dann soweit, es wurden gleich beide Seiten in einem Eingriff operiert. Die Kosten der OP wurden übrigens vollständig von der Krankenkasse übernommen, dies sollte man aber unbedingt vorher abklären und sich schriftlich bestätigen lassen (habe ich auch gemacht).

Freitag den 07.08.2009 war ich bereits in Kiel, dort wurde mir Blut abgenommen und ein EKG gemacht, dazu kam noch die Aufklärung von der Chirurgie und Narkose, danach konnte ich wieder nach Hause.

Sonntag den 09.08.2009 um 17:30 Uhr ging es dann los, um 19 Uhr sollte ich in Kiel sein. Für die Nacht habe ich eine starke Schlaftablette bekommen, nach deren Einnahme ich auch bis morgens durchschlafen konnte. Morgens wurde mein Oberkörper rasiert und ich konnte nochmal duschen. Um 7 Uhr wurde ich für die OP abgeholt, vorher bekam ich noch eine "Scheiß-egal-Tablette", von der ich allerdings keine Wirkung verspürte. Ich habe alles mitbekommen bis der Narkosearzt dann schließlich die Narkose eingeleitet hat. Bis dahin konnte ich mich noch nett und klar unterhalten, dann war ich weg, wie vom Holzhammer getroffen.

Gegen 11:30 Uhr wurde ich im Aufwachraum angesprochen, mir ging es gut, ich hatte keine starken Schmerzen und mir war nicht übel. Mit der Zeit bekam ich Rückenschmerzen, die nach Gabe eines Medikamentes auf meinen Wunsch hin verschwanden. Dann wurde ich noch kurz geröngt und wurde gegen 13:30 Uhr wieder auf mein Zimmer gebracht.

Etwas zu früh gefreut, ab ca. 15 Uhr wurde mir schlecht und ich musste mich die nächsten 8 Stunden fast stündlich übergeben. Zur Nacht bekam ich dagegen etwas in den Tropf und dann konnte ich auch schlafen. Die Schmerzen waren erträglich, so ähnlich als wenn einem jemand in den Brustkorb getreten hätte und man dort Muskelkater und blaue Flecken hat.

Dienstag morgen (11.08.2009) wurde zunächst der Tropf entfernt, dann wurde mir Blut abgenommen und bei der anschließenden Visite nochmal alles kontrolliert. Außerdem konnte ich meine erste Mahlzeit einnehmen. Kurz darauf kam der Stationsarzt und teilte mir mit, dass ich schon wieder nach Hause darf. Gegen Mittag wurde ich dann von meiner Familie abgeholt.

Das Beste, seit der OP konnte ich nicht den Funken von Schweiß an meinen Händen entdecken. Ich fühle mich was dies angeht so glücklich, dass mir fast die Tränen in den Augen stehen. Das Personal im Krankenhaus war auch durchweg freundlich.

Einen kleinen "Schock" bekam ich nach der OP, als ich in meinem Zimmer lag und mir einmal kurz nach dem Erbrechen der Schweiß in Strömen von den Beinen lief. Zu meinem Glück hatte mich an dem Tag auch noch meine Mutter besucht und der Arzt, der mich opieriert hatte, hat mich auch besucht und aufgeklärt. Dass in diesem Fall natürlich erstmal der Kreislauf, die ganzen Medikamente und vielleicht auch gereizte Nerven von der OP eine Rolle spielen und dass ich mir in den nächsten Tagen darum keine Sorgen machen solle. Natürlich empfand ich dies als beruhigend, aber meine größte Angst ist nun natürlich, dass ich an anderen Körperstellen entsprechend mehr schwitzen könnte.


Mein Zustand jetzt gut 6 Wochen nach der OP:

Körperlich fühle ich mich wieder 100% fit, ich kann Sport machen und mich auch ansonsten voll belasten, leider ist es (noch???) so, dass ich teilweise extrem am Rücken, Bauch und den Beinen schwitze, praktisch abwärts des Brustbeines. Selbst bei starker körperlicher Anstrengung an Händen und Armen dagegen überhaupt nicht mehr, an Kopf und Achseln minimal.

Bei körperlicher Anstrengung (aber teilweise auch komplett ohne Anstrengung oder Hitze) tritt bei mir ein starkes kompensatorisches Schwitzen an
Bauch, Rücken und Beinen auf, was deutlich über das Maß des "kompensierens" im Sinne von ausgleichen hinausgeht. Daher kann ich meine seither trockenen
Hände und fast trockenen Achseln nicht genießen, da die Gesamtsituation insgesamt betrachtet, so (hoffentlich nur vorübergehend) fast schlimmer ist als vor der OP.

Ich hatte Erlebnisse, wo ich nur mal kurz an meiner Fachhochschule oder beim Einkaufen war und nach einem ganz kurzen Spaziergang bei milden Temparaturen und luftiger Kleidung (Jeans sowie T-Shirt mit Hemd darüber), war wirklich mein kompletter Rücken
durchgeschwitzt, der halbe Bauchbereich und an den kompletten Beinen war eine so starke Schweißentwicklung, dass sogar die im Vergleich zu einem T-Shirt sehr dicke Jeans an einigen Stellen durchgeschwitzt war. Bei diesen starken "Schweißattacken", wurden in sehr kurzer Zeit (unter 5 Minuten) nahezu unglaubliche
Schweißmengen ausgeschüttet. Fast so als wolle mein Körper irgendetwas total überkompensieren.

Ich habe natürlich derzeit große Angst, dass dieser Zustand so bleiben könnte. Meine Lebensqualität wäre damit fast noch schlechter als vor der OP, es ist praktisch so als wenn man duschen würde und sich dann fast ohne abtrocknen wieder anziehen würde. Ich übertreibe da keinesfalls mein T-Shirt
war so durchgeschwitzt, als hätte ich bei 30 Grad einen Marathon gelaufen...

Ich kann auch überhaupt nicht nachvollziehen, warum ich manchmal derartige Mengen ausschwitze, die den Umständen nicht im weitesten Sinne entsprechen
und vom Gefühl her die Menge, die ich vorher an Händen und Achseln geschwitzt habe, sogar noch weit übersteigen.

Ein mögliches kompensatorisches Schwitzen wäre ja irgendwo zu ertragen, wenn es nur die Mengen wären, die ich vorher geschwitzt habe und nicht diese großen Mengen an den ganzen Beinen, dem Rücken und dem Bauch.

Natürlich versuche ich positiv zu denken und hoffe, dass sich mein Nervensystem noch einpendeln oder normalisieren wird, was nach Auskunft der Ärzte bis zu 6 Monate dauern kann. Allerdings hat man als Laie ja auch keine Vorstellung wie lange so etwas dauern kann und ob derartige Dinge, wie ich sie jetzt erlebe in Anführungsstrichen noch normal sein können, als
Folge der OP?

Die Ärzte sagen nur:
"Die Verarbeitung des vegetativen Nervensystems muss sich bei mir erst einmal an die neuen Umstände gewöhnen und auf einen neues Level einpendeln, deshalb muss ich mir jetzt ersteinmal etwas Zeit geben, um dann abschließend den neuen Istzustand nach der Operation zu bewerten.

Das jetzt in der Frühphase nach der Operation Überreaktionen verstärkt auftreten sei normal. Dieser Zustand könne sich bessern. In wieweit es der Fall sein wird, könne leider niemand seriös vorhersagen und der Patient sei leider zum Abwarten verdammt.

Sie hoffen, der Zusatnd des übermäßigen kompensatorischen Schwitzens beruhige
sich bei mir bald."

Im Prinzip bedeutet dies für mich "abwarten und Tee trinken", leider leichter gesagt als getan, da es um die Entwicklung meiner Lebensqualität geht...

Meine größte Angst, ist natürlich, dass dieser Zustand so bleiben könnte. Im Ruhezustand (ohne jegliche Anstrengung) geht es zwar meistens relativ gut, bis auf ein paar jedoch dann extreme Ausnahmen, aber was nützt es mir, wenn ich bereits nach einem kleinen Spaziergang, teilweise aussehe, als hätte ich ein paar Stunden Hochleistungssport betrieben. Mir steht der Einstieg ins Berufsleben kurz bevor und der Gedanke nach einem kurzen Gang in der Mittagspause, um z.B. was Essen zu gehen, so komplett durchgeschwitzt sein zu können, macht mir Angst.

Gibt es vielleicht ähnliche Erfahrungen nach einer derartigen OP, also das dass Nervensystem evt. auch vorübergehend total verrückt gespielt hat??? Bin für alle Erfahrungen und Meinungen dankbar. So langsam gehen mir die Behandlungsmöglichkeiten aus, daher wollte ich meine "Geschichte" einmal hier veröffentlichen und bin gespannt auf Anmerkungen, Hinweise oder Kommentare jeglicher Art. Ich wüsste im Moment nicht, ob ich die OP noch ein zweites mal machen lassen würde.
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  • AW: Meine Leidensgeschichte + Bericht Sympathektomie

    von » 9 Jahre her


    hallo Walker,
    ich kann sehr gut nachfühlen wie es dir geht.Ich hab die ETS 2002 machen lassen,bei mir schwitzten Hände und Füße.Nach der OP waren die Hände sehr trocken,Füße unverändert.Das kompensatorische Schwitzen(Bauch,Rücken,Gesäß)macht mir sehr zu schaffen.Ich fühle mich unter Menschen sehr unwohl,bekomme richtig Panik wenn ich merke,daß mir plötzlich heiß wird und dann läuft es einfach.Meine Kleidung wird auch ganz nass.Ich hab allerdings gemerkt,daß das kompensatorische Schwitzen oft eine Kopfsache ist,denn daheim oder wenn ich mit mir sehr vertrauten Menschen zusammen bin,da schwitz ich nicht so.Wahrscheinlich weil ich mich wohl und sicher fühle.Ich denke auch oft,daß es mir mit dem "Ausgangsproblem" weniger schlecht ging als heute.Ich hab im Gegensatz zu dir nicht mal die Möglichkeit die OP rückgängig machen zu lassen,es ist zu lange her.Ob das komp. Schwitzen bei dir so bleibt,das weiß ich nicht,jeder Mensch ist anders. Ich habe es jetzt 7Jahre nach der OP immer noch.

    LG,chrissi

  • AW: Meine Leidensgeschichte + Bericht Sympathektomie

    von » 9 Jahre her


    Hi chrissi,

    vielen Dank für Deine Antwort. Um eines vorweg zu nehmen, rückgängig machen kann ich soweit ich weiß auch nichts mehr, da bei mir nichts abgeklemmt, sondern durchtrennt bzw. entfernt wurde. Natürlich kann ich auch sehr gut nachempfinden wie Du Dich fühlen musst, damit wird einem das Leben teilweise echt zur Hölle gemacht und man möchte sich manchmal einfach nur "schnell ein Loch graben und verschwinden", wenn man plötzlich in der Öffentlichkeit so stark schwitzt.

    Besonders "tragisch" ist es wenn man soviel Hoffnung wie wir es getan haben in den operativen Eingriff gelegt hat und man dann doch mehr oder weniger enttäuscht wird. Es bedarf schon eines enormen Leidensdruckes, damit man sich als ansonsten gesunder Mensch einer derartigen Operation unterzieht.

    Menschen, die nicht betroffen sind, können unsere Situation auch nur bedingt nachvollziehen und verstehen, oft kommen da nur "kluge" Sprüche, die alles andere als weiterhelfen...

    Ich war heute gerade nochmal bei meinem Hausarzt, der sich sehr optimistisch geäußert hat, im Sinne, dass sich da noch einiges verändern kann und sollte. Demnächst werde ich auch noch mal ein Gespräch mit den Ärzten führen, die mich operiert haben. Ich muss jetzt erstmal optimistisch bleiben, positiv denken und abwarten. Es ist einfach noch viel zu früh, um sich eine abschließende Beurteilung zu leisten, das weiß ich selber, aber es fällt so unheimlich schwer, wegen dieser plagenden Ungewissheit.

    Der "Kopffaktor" spielt bestimmt eine wichtige Rolle bei der Sache, da mir dies schon länger bewusst war, versuch ich mein Selbstwertgefühl und das Umgehen mit dem Schwitzen an sich, zusammen mit einem Psychologen in die richtigen Bahnen zu lenken. Mir ging es früher auch oft so, dass ich im vertrauten Umfeld meistens weniger geschwitzt habe.

    Viele Grüße Walker

  • AW: Meine Leidensgeschichte + Bericht Sympathektomie

    von » 9 Jahre her


    Ich finde,daß vielen gar nicht bewußt ist was das komp. Schwitzen wirklich ist,wie es ausschauen kann. Einige Zeit nach der OP hat eine Ärztin Fotos von meinem Oberkörper gemacht zur Aufklärung über das komp. Schwitzen. Dazu hat sie meine Haut glaub ich mit Speisestärke bestäubt weil sich das in Kombination mit Schweiß schwarz verfärbt.Mein Bauch und Rücken waren ganz schwarz. Hätte man mir vor der OP so ein Bild gezeigt,dann hätte ich mir das Ganze zweimal überlegt.

    Ich war einfach nur froh,daß es endlich eine Methode gibt, die patschnassen Hände endlich trocken zu bekommen.
    Viell. hätte mich solch ein Infomaterial wach gerüttelt.

    Ich möchte dich nicht beunruhigen mit meiner Geschichte,warte ab wie sich die Sache noch entwickelt.
    Übrigens mache ich jetzt seit einem Jahr auch eine Therapie und hoffe,daß ich lerne aus diesem Dilemma rauszukommen.



    LG

  • AW: Meine Leidensgeschichte + Bericht Sympathektomie

    von » 9 Jahre her


    Was das Thema Operation mit Risiken, möglichen Operationsfolgen ala Horner Syndrom, kompensatorisches Schwitzen usw. angeht, habe ich mich schon relativ umfangreich informiert und abgewogen.

    Ich bin einfach immer wieder zu dem Schluss gekommen, dass mich der vorherige Zustand so stark stört und ich dies unbedingt verändern wollte, natürlich nicht um jeden Preis, aber die guten Erfolgsaussichten mit den (vermeintlich eher geringen) Risiken und Nebenwirkungen, haben mich dazu bewogen, die OP machen zu lassen. Dazu die erfolglosen anderen Therapieformen, da blieb mir quasi nur noch dieser Strohhalm, aber wären die Aussagen und Erfahrungsberichte, die ich vor der OP gelesen habe, nicht überwiegend positiv gewesen, hätte ich es wohl auch nicht machen lassen. Zudem kommt, "jeder Mensch ist anders", wie Du ja auch schon gesagt hast. Man hofft natürlich immer, dass man zu der großen Mehrheit gehört, bei der die OP den gewünschten Erfolg bringt und gleichzeitig nicht zu der Minderheit, bei der negative Folgen auftreten. Wenn es danach geht, dürfte man aber auch kaum bei Kopfschmerzen eine Tablette nehmen, weil auf dem Beipackzettel Nebenwirkungen stehen, bei denen einem ganz anders werden kann, auch wenn sie selten sind, es kann ja theoretisch auch einen selber treffen genau wie bei der Sympathektomie...

    Von daher habe ich immer gehofft, mit der OP den gewünschten Erfolg zu erzielen, die Aufklärung von den Ärzten lag bei mir auch nur bei einem standard Maß, ich denke da liegt die Hauptverantwortung aber auch bei jedem selber sich vorher umfangreich zu informieren, irgendwo sicher traurig, aber wahr.

    Diese Entscheidung ist mir auch nicht leicht gefallen und ist fast über ein Jahr gereift, ein ständiges hin und her, soll ich oder soll ich nicht.

  • AW: Meine Leidensgeschichte + Bericht Sympathektomie

    von » 9 Jahre her


    Hallo Leute,

    ich überlege mir auch schon seit paar Jahen, ob ich die OP durchführen lassen soll oder nicht. Habe schon glaub alles ausprobiert, nur all die andere Methoden, helfen nicht, wenn ich in einer Stresssituation bin. Einen OP-Termin habe ich schon abgesagt, aus Angst vor KS. Nun habe im Februar 2010 noch einen Termin. Wenn ich aber sowas lese...:dry:
    Ist es denn wirklich so, dass KS viel mehr ist als was ihr voher schwitzten???

  • AW: Meine Leidensgeschichte + Bericht Sympathektomie

    von » 9 Jahre her


    Das Problem beim KS ist, dass es leider niemand in Art und Ausprägung wie es nach einer solchen OP auftreten kann, vorhersagen kann. Man weiß also weder ob es auftreten wird, noch wenn wo genau oder wie stark...

    Dessen muss man sich bewusst sein und man sollte in Ruhe und sehr bedacht abwägen.

    Mein Informationsstand war, dass das KS bei ca. 30-70% aller Patienten überhaupt auftritt (leider nicht besonders eindeutig), dass ca. 90% der Patienten, dass Ergebnis der OP als eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität einschätzen und nur ein kleiner Prozentsatz von unter 10% als Verschlechterung. Diese Informationen zusammen mit meiner Unzufriedenheit über den vorherigen Zustand in Verbindung mit der nicht Wirksamkeit aller anderen Behandlungsmethoden, hat mich dazu bewogen, die OP machen zu lassen.

    Bei mir ist es aber wirklich noch viel zu früh, um das endgültige Ergebnis beurteilen zu können, also lass Dich davon nicht verunsichern, jeder Mensch ist anders.

    Mir hat damals bei der Entscheidung folgendes geholfen: Ich habe mir immer wieder die Frage gestellt "kann und will ich mit meinem derzeitigen Zustand weiter leben?", die Antwort war immer wieder, dass ich es unbedingt ändern wollte, weil ich immer wieder zu dem Schluss gekommen bin, dass mich meine Hyperhidrose in meiner Entwicklung und Entfaltung in meinem Leben zu starkt aufhält und beeinträchtigt.

    Wenn man alles andere ausprobiert hat, gibt es irgendwann nur noch die Möglichkeit, dies so zu akzeptieren und sich mit seiner HH irgendwie "anzufreunden" oder eben alles auszuschöpfen um es zu ändern. Ich habe mich für letzteres entschieden, dies hätte ich nicht um jeden Preis getan, aber die Erfolgsaussichten sind/waren gut und die Risiken und Nebenwirkungen kalkulierbar/überschaubar. Wäre dies nicht so gewesen, hätte ich es nicht machen lassen.

    Die Entscheidung kann Dir niemand abnehmen, falls es noch Fragen geben sollte, stehe ich gerne zur Verfügung.

  • AW: Meine Leidensgeschichte + Bericht Sympathektomie

    von » 9 Jahre her


    Ich denke es ist schwer abzuwägen ob man das KS in Kauf nimmt oder nicht.
    Wie kann man ich über etwas Gedanken machen was man selber nicht kennt,nur vom Erzählen her? Jeder hofft natürlich,daß es nicht so schlimm sein wird.Wenn man jahrelang an Hyperhidrose leidet und das Schwitzen das ganze Leben bestimmt,ist man richtig froh,daß es endlich was gibt um es für immer loszuwerden.
    Mein Arzt hat mir damals gesagt,daß das KS immer kommt.
    Man kann vorher aber nicht sagen wo und wie stark, wobei es meistens am Rumpf auftritt.

    Liebe Grüße,chrissi

  • AW: Meine Leidensgeschichte + Bericht Sympathektomie

    von » 9 Jahre her


    Hallo ihr lieben,

    danke für eure Antworten!!! ich werden es mir noch sehr gut überlegen, ist ja noch Zeit bis Februar :-)
    was ich auch noch gerne wissen würde, ob jemand diesen Horner-Syndrom durch ETS bekommen hat???

  • AW: Meine Leidensgeschichte + Bericht Sympathektomie

    von » 9 Jahre her


    Die Sache mit dem Horner-Syndrom ist nach meinem Kenntnisstand eher unwahrscheinlich (Risiko höchstens 1-2%). Mir wurde erzählt, dass die Gefahr größer wird, wenn man irgendwie höher an den Grenzstrang des Sympathicus rangeht, dies wäre der Fall, wenn man übermäßiges Schwitzen am Kopf mit der OP bekämpfen möchte, wenn es sich um Hände + Achseln handelt, würde man "tiefer" da rangehen und die Gefahr wäre kleiner. Es kann natürlich auch auftreten, wenn der Grenzstrang bei der OP versehentlich verletzt wird, das fällt aber wohl eher unter allgemeines OP Risiko.

    Natürlich müssen die Ärzte darüber aufklären, aber dies sollte eigentlich nicht der Aspekt sein, der einen von einer möglichen OP abhält, dafür ist es schlichtweg zu unwahrscheinlich, zum Glück. :-)

    Man sollte natürlich darauf achten, wenn man sich zu so einer OP entschließt, dass man sie dort machen lässt, wo die Ärzte auch schon ein paar Erfahrungen mit dem Verfahren haben.

    Ich hoffe ich kann Dir damit ein wenig weiterhelfen.

  • AW: Meine Leidensgeschichte + Bericht Sympathektomie

    von » 9 Jahre her


    Hallo Walker,
    Wie ich in diesem Forum schon berichtet habe wurde ich auch operiert.
    (Übrigens einen Tag nach dir ;) )
    Mir geht es heute super gut, jedoch habe ich nichts durchtrennt bekommen, sondern abgeklemmt.
    Mein Arzt hat mir von einer entgültigen Durchtrennung abgeraten, damit es möglich ist, bei KS den Titanklipp zu verrücken oder gar bei zu starker Belastung durch KS zu entfernen.

    Ich habe den ersten Tag nach der OP genau wie du es berichtet hast unglaublich an meinen Beinen geschwitzt, was sich aber völlig gelegt hat.

    Bei hohen Temperaturen schwitze ich auch mehr als andere Leute an Rücken und in der Brustfalte, was aber nicht nennenswert ist.
    Beim Sport hingegen tropft es mir regelrecht den Rücken und Bauch runter, was ich aber beim Sport überhaupt nicht schlimm finde.

    Es tut mir Leid, denn wenn man mit minimalen KS-Beschwerden nach der OP im Leben steht, ist es ein unglaubliches Gefühl seine trockenen Hände zu erleben und Leuten bewusst mit Freude die Hände zu geben.

    Daher empfehle ich auf jeden Fall einen Klipp und KEINE völlige Durchtrennung.

    Hast du nach der OP nochmal mit deinem Arzt gesprochen???

    Lg

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