Ein Leben mit Hyperhydrose

Kategorie: Hyperhidrose (Schwitzen) 7 Monate her

Hallo, ich bin der Tobi und bin 30 Jahre alt.

Ich leide seit vielen Jahren - eigentlich seit meinen Kindheitsjahren - an selbstdiagnostizierter Hyperhydrose. Ich schwitze regelmäßig sehr stark unter den Achseln, an den Händen und unter den Füßen. Ich war deswegen auch noch nie bei einem Arzt, da es mir einfach sehr peinlich ist. Eigentlich geht es bei mir bereits im Frühjahr los und zieht sich bis in den Herbst hinein. Der Winter ist die einzige angenehme Jahreszeit für mich. Ich muss oft schon nur daran denken und schon geht das starke Schwitzen bei mir los. Verständnis dafür wurde mir bisher wenig entgegen gebracht. Ja sind sogar schon Freundschaften und Beziehungen daran zerbrochen. Auch meine Eltern waren meist von mir deswegen sehr angeekelt - aber das ist ein anderes Thema.

Zuerst habe ich es im Schulsport gemerkt. Ich war immer sehr nass unter den Achseln und an den Händen und sass danach schwitzend und tropfend im Unterricht. Wie sich jeder vorstellen kann, war dies immer äußerst peinlich und ich wurde deswegen in der Schule immer sehr oft gemobbt. Nach der Schule habe ich mit arbeiten angefangen und hatte sehr oft große Probleme damit. Auch in der Lehre wurde ich wegen dem Schwitzen sehr oft gemobbt. Bis dahin ging es aber immer noch.   Richtig schlimm wurde es dann so Anfang 20. Hier kam zum Schwitzen an den Achseln, an den Händen und Füssen auch ein enormes Schwitzen am Rücken und im Gesicht hinzu. Ich hatte bis dahin auch noch viel Sport gemacht gehabt. Joggen, Fussball spielen und Kraftsport waren meine großen Leidenschaften bis zum Sommer 2013. Dies war ein sehr, sehr warmer Sommer, wer sich zurück erinnern kann. Es war in diesem Sommer einfach nur noch unaushaltbar. Ich saß einfach nur da und habe nichts gemacht und habe überall getropft. In diesem Zuge hatte ich mich dann auch entschlossen, jegliche sportliche Aktivitäten zu beenden, da mich das Schwitzen enorm belastete. Beim joggen und beim Fußball rutschte ich regelrecht in meinen nassen Sportschuhen hin und her. Ich ekelte mich schon selber dabei vor mir.

In diesem Sommer kamen bei mir auch erstmals Suizidgedanken auf wegen den enormen Schwitzen mein Leben zu beenden. Im Laufe diesen Sommers entwickelte ich wohl auch meine Sozialphobie vor anderen Menschen. Seit diesem Sommer habe ich mich so gut wie von allen mir bis dahin lieben Menschen abgekapselt bzw. sie den Kontakt zu mir beendet, unter anderem auch zu meinen Eltern. Auch viele Freundschaften sind deswegen in die Brüche gegangen. Ich meide seitdem so gut es geht extrem warme Orte, wie Diskotheken, Lokale und dergleichen. Das einzige was ich noch tat, war auf Arbeit zu gehen. Irgendwie muss man ja weiter für seinen Lebensunterhalt sorgen. Aber auch hier war es unerträglich, aber irgendwie muss es ja gehen. Mit meinem Chef habe ich darüber nie gesprochen und Kollegen schauen mich oft verachtungsvoll an.

Und damit komme ich zum Thema Frauen. Wie sich jeder vorstellen kann, ist für mich der Kontakt zu Frauen wegen des starken Schwitzens und meiner Sozialphobie sehr schwer. Auch weil es mir grundsätzlich einfach sehr peinlich ist, darüber offen zu reden. Im Laufe der Jahre habe ich es wie durch Glück dann doch noch geschafft vorletztes Jahr mal einen Kontakt zu einer Frau herzustellen. Allerdings war die Beziehung gelinde gesagt einfach nur sehr schwer. Am Anfang ging es noch und es war alles in Ordnung, was auch daran lag, dass wir uns im Winter kennenlernten und das für mich ja die angenehmste Jahreszeit ist. Dann kam es wie es kommen musste und der Frühling brach an und die Temperaturen stiegen und die HH brach bei mir wieder enorm aus. Meine Freundin sagte am Anfang nichts und ignorierte es, allerdings merkte ich im Laufe der Zeit wie sie sich immer mehr vor mir ekelte und Abstand suchte. Im Sommer letzten Jahres war es dann vorbei und sie verließ mich wegen meiner HH. Dies hatte zur Folge, das ich in schwere Depressionen verfiel und nun seit fast einem Jahr in psychatrischer Behandlung und krankgeschrieben bin. Selbst mit meinem Psychater habe ich bisher nie über meine HH gesprochen.

Seit letztem Sommer bin ich psychisch auch so fertig, dass ich jeglichen Kontakt zu anderen Menschen meide, so gut es geht. Dass damit auch die allerletzten Freundschaften zerbrochen sind, dürfte wohl jedem klar sein.   Ich stehe nun an einem Wendepunkt, da ich demnächst wieder arbeiten gehen soll und ich noch überhaupt nicht weiß, wie ich das schaffen soll. Zudem steht nun auch wieder der Sommer bevor. Alleine schon der Gedanke daran, bringt mich zum Schwitzen. Am liebsten würde ich mich auf die nächste Brücke stellen und runterstürzen, weil ich so verzweifelt bin und mich vor mir selber ekele. Wohl sind es die Antidepressiva, die ich seit fast einem Jahr nehme die mich davon abhalten es zu realisieren.   Ich habe den Beitrag hier unter anderem verfasst um anderen Menschen, die an selben Problemen leiden, sich zu äußern, ihre Meinungen austauschen zu können und im Idealfall zu helfen. Spott und Häme brauche ich nicht.

Danke. Lg Tobias.

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  • AW: Ein Leben mit Hyperhydrose

    von » 7 Monate her


    Ich denke die Antwort hierauf kann relativ kurz ausfallen; Solange Du nicht in der Lage bist mit einem Freund, Partner oder auch Mediziner offen über Dein Problem / Deine Probleme zu reden wirst Du Probleme haben diese zu beseitigen.
    Denn genau für solche Zwecke geht man zu einem Mediziner, schließt Freundschaften oder versucht eine vertrauensvolle Beziehung.

    Noch ein bisschen Mut: meine Hyperhidrose hat mich im Erwachsenenalter sehr sicher nicht eine einzige Beziehung oder Freundschaft gekostet.
    Ich bin nach der Pubertät damit stets offen und sogar offensiv umgegangen und habe damit ausschließlich positive Reaktionen geerntet.


    Sascha Ballweg | Initiator HyperhidroseHilfe.de und des Webshops Schwitzen.com
    Palmare Hyperhidrose zu ca. 95 % gelindert: "Bei mir wirken Antitranspirante & Iontophorese gleichermaßen gut, wobei die Iontophorese etwas schneller gegen meine Schweißhände wirkt. Wer Fragen hat… ich helfe gern :)"

  • AW: Ein Leben mit Hyperhydrose

    von » 7 Monate her


    Hey Tobi

    Ich will dir ein paar Tipps geben oder es versuchen ... kurz zu meiner Situation: ich hatte bis dato gelegentlich mal schwitzige und stinkende Füße und dachte mir nichts dabei . Seit kurzem wurde bei mir eine Hyperhidrose an den Füßen diagnostiziert . Ich habe in der vergangen Zeit also auch viel versucht um dieses Problem zu beseitigen . Natron ,verschiedene Schuheinlagen (Leder/ antibakterielle , Cremes, Puder , jede Woche neue Schuhe und so weiter . Mir wurden verschiedene Salben privat verschrieben die jedoch nicht wirklich halfen . Ich gehe jeden Tag duschen , wenn es warm ist auch zweimal , Wasche Füße täglich 2 mal mit antibakterieller Seife ja und 2 mal die Woche Natron Fußbad ...wasche Wäsche auf 60grad mit hygienespüler und Gallseife./ wasche Bettzeug 2msl die Woche ,.... Es brachte etwas ... 

    so nun zum Thema - „es riecht hier wieder oder man is hier ne stickige Luft :

    1. wenn du richtige Freunde hast und denen offen alles erzählst und immer wieder sagst was du nicht alles dagegen versuchst - werden sie dir ein offenes Ohr und Verständnis entgegenbringen ( meine Erfahrungen - Freunde kennen einen länger als der Typ aus der Bahn der gegenüber sitzt 
    2. wenn auf Arbeit oder Schule das Thema angesprochen wird is klar dass man dort teils dumme Sätze oder Abneigung erhält — auch hier vor allem bsp im Büro sagen dass man gleich noch n Termin beim Hautarzt hat  wenn die Leute sehen man kümmert sich dauerhaft sieht es anders aus  drauf bestehen dass das Fenster offen bleibt , Lavendel Blumen in s Büro stellen  offen vor anderen mit den Arzt telefonisch sprechen wegen Termine etc- die Leute sind dann live dabei   
    3. kommt dir einer im Zug dumm oder so - bleib hart - die person kann sich wegsetzten  und wenn du täglich die gleichen Verbindungen nimmst und immer dieselben Leute dort triffst , müssten die ja wissen , dass man etwas riecht ( innerlich hart bleiben )!!!  

    Also das beste für die Füße scheint zu sein , Natron Fußbäder in der ersten Zeit täglich / 1 Packung auf 4 l lauwarmes Wasser / 15 Minuten - danach direkt die nägel und überschüssige Haut an den Zehen entfernen  / danach mit BIMS Stein ( Füße einseifen dann stein benutzen ) falls Hornhaut vorher nie entfernt wurde können nach der Prozedur die Füße wieder miefen, da man die verunreinigte überschüssige Haut entfernt hat so dass direkt wieder Natron Bad - wieder 1 Packung auf 4 Liter aber diesmal 5 Minuten . danach wieder gucken nach überschüssiger Haut / abtrennen / Füße richtig trocknen / saubere Socken an und wenn man auf Couch abhängt - Socken ausziehen damit Luft an Füße kommt . 

    Die getragenen Socken die man außer Haus und nur im Haus trägt täglich wechseln , barfuß ins Bett und Füße lüften lassen ( keine decke drüber ziehen ... , Schuhe aus Leder , Socken aus Baumwolle / Schuhe immer lüften und am sonnigen Ort stellen / wenn zu nass von innen - küchenrolle innen ausstopfen / nach ner Stunde entfernen und wenn weiter nass wieder von vorn  Schuhe wechseln  Also Odaban hält meine Füße teils trocken aber der Geruch der bleibt ?     unter den Achseln  würde ich immer Haare entfernen , ein Roll deo nehmen - man kann Schweißdrüsen unter den Armen entfernen lassen mit der Gefahr dass man wo anders schwitzt - hört sich doof an aber man kann ein OB (Tampon ) unter die armen klemmen - wenn vollgesaut auswechseln - dann wieder zur frische vorher abwaschen /deo oder Parfüm

    Ich hoffe dass dir vllt ein paar Tipps helfen- man muss einen Weg finden damit man damit leben kann  ?
    gGruß 


  • AW: Ein Leben mit Hyperhydrose

    von » 7 Monate her


    Offtopic: Hallo Jonas. Es freut mich, dass Du helfen willst aber bitte benutze korrekte Satzzeichen-Schreibung (Satzzeichen werden hinter dem Wort nie mit Leerzeichen abgetrennt) und vermeide überflüssige Dramaturgiepausen, die Du mit … kennzeichnest. Dies alles erschwert nur die Lesbarkeit.


    Sascha Ballweg | Initiator HyperhidroseHilfe.de und des Webshops Schwitzen.com
    Palmare Hyperhidrose zu ca. 95 % gelindert: "Bei mir wirken Antitranspirante & Iontophorese gleichermaßen gut, wobei die Iontophorese etwas schneller gegen meine Schweißhände wirkt. Wer Fragen hat… ich helfe gern :)"

  • AW: Ein Leben mit Hyperhydrose

    von » 7 Monate her


    Hallo Sascha ,   ich wollte mich mich kurz fassen deswegen die verschiedenen Zeichen . Falls es dadurch unübersichtlicher wirkte , war es nicht meine Absicht ?

  • AW: Ein Leben mit Hyperhydrose

    von » 7 Monate her


    Hallo Tobi,  was du schreibst, tut mir im Herzen weh.  Seit ich mich erinnern kann, nimmt das Schwitzen einen Teil meines Lebens ein, vor allem beim Sport und im Sommer. Bei mir ist es vererbt, mein Papa schwitzt ähnlich viel wie ich - von daher ist das Verständnis und der Rückhalt in meiner Familie durchaus da.  Jedoch kann ich deine Gedanken vollkommen nachvollziehen! Ich schwitze überwiegend im Gesicht, jedoch bin ich ein Mädchen - und Mädchen schwitzen nunmal nicht. Sobald die ersten (wärmeren) Sonnenstrahlen raus kommen, bin ich drinnen und sage alle Treffen ab, die im Warmen / draußen stattfinden bzw. bei denen ich schwitzen könnte. Ich habe mit der Zeit diverse Mittel zum Auftragen getestet (in der Apotheke erhältlich), aber so richtig geholfen haben sie bei mir nicht. Anfang des Jahres habe ich mich endlich getraut, mit meiner Hautärztin über die HH zu reden. Es war mir unendlich unangenehm und natürlich hab ich erstmal angefangen zu schwitzen, aber sie hat sehr verständnisvoll reagiert, sodass ich dir da wirklich die Angst nehmen möchte! Die HH ist eine Überreaktion deines Nervensystems. Dafür kannst du nichts. Und auch wenn ich die von dir geschilderten Gedanken nur zu gut kenne, solltest du dir das immer wieder sagen! Du kannst für die HH nichts! Es ist wie ein Schnupfen, da geht man auch zum Arzt und lässt sich helfen, also keine Angst! Es wird Dir unheimlich gut tun, endlich Hilfe zu erhalten.    Mir fällt der Umgang mit diesem „Päckchen“, insbesondere jetzt bei den heißen Temperaturen selbst unfassbar schwer, aber lass dich nicht unterkriegen, nimm Hilfe an und rede darüber. Ich hoffe, ich konnte Dir helfen.  Grüße  Lori 

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