ETS - Fakir

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Hallo Leidensgenossen
Mich begleitete Hyperhidrosis an den Händen schon von klein auf. Niemand wusste Rat, niemand konnte helfen. Die Scham und der Ekel vor mir selbst wuchs im Gleichschritt mit der Körpergrösse. Wöchentliches Frisch-Trauma… jahrelang, Kollaps der Seele vorprogrammiert. Die Pubertät war besonders hart. Mädchen bekamen mit mir das Gefühl von einem Frosch berührt zu werden. Sex… peinlich.
Dann eine «Dalli-Dalli-Zack-Zack-Hausarzt-Behandlung» bei Dr. H. Eilsbotschaft. Sein Rat, eher eine Konsum-Werbung: «Der Herr Prof. «säbelt» Ihnen den Sympathikus mit allen Problemen durch, ein paar Schnittchen und schon sind sie frei.» ETS hiess das Zauberwort und hallte noch den ganzen Tag lange in mir nach.
Tja, und so lag der Frank zu Weihnachten 1993 wie die Ofengans auf der Metzger-Bank von Dr. J. Ammann im Kantonsspital Münsterlingen, Schweiz. Kurz vor dem Brachial-Cut noch eilig die Assistenzarzt-Info: «Das Risiko eines Ärztefehlers mit Lähmungsfolge ‘schenken’ wir Ihnen inklusive.»
Mein Fokus lag aber schon auf der Zukunft. Es riefen die grossen Ziele wie eine Fata Morgana aus der Wüste: Erlösung vom «iiiiih & ääähh… nass», vom sich Verstecken und heimlich Wunden lecken. Eine 180° - Kehre deshalb undenkbar. Mein Herz sang schon heiter « I’m dreaming of a dry chistmas…».
Nun, das «luziferische Erwachen» folgte mit den Engeln der Schulmedizin. Keine Vorab-Information, dass ich auf der Intensivstation aufwachen würde smiley-eek. Neben mir liegt ein Verkehrs-Unfall-Opfer im Todeskampf, tausend Maschinen um uns herum, weinende Angehörige an meinem Bett... aus dem Brustkorb führt ein Schlauch, mein Blut sickert hindurch und mündet in einer riesigen Glaskaraffe. Der erste Gedanke, hart wie Beton: «Aaaaaahhh, das war’s… ausgelaufen, TOT!!
In diesem Raum atmet seit jenen Tagen mein höchstpersönliches Kreuzigungs-Trauma.
Noch im Spital setzt Kompensatorisches Schwitzen EIN und ich AUS… Abflug auf die Insel Ohn(e) Macht. Solide Körper-Zerstückelung, ihr lieben Damen und Herren in Weiss und Grün. Danach war ich ein ¾ Jahr seelisch paralysiert, konnte kaum sprechen, mich nicht mehr erkennen… ich der Sanguiniker, der Rhetoriker.
Die Kosten von damals 10'000.- CHF trug selbstverständlich das krankenkassen-gläubige Volk. Brav, brav.
Eine Lawine geriet ins Rutschen: Fantomschmerzen, Ärzte-Marathon, etliche Therapien, Fremdseelen-Belastungen, periodische Depressionen, finanzielle Zusammenbrüche, Invalidität, soziale Isolation… mit einem Wort: purer Fluch und dieser lastet bis heute auf mir. Höllischen Dank.
Das ungefähre Schmerz-Volumen, das ich seit 1997 an EINEM (!) Tag durchleide, entspricht ca. der Jahres-Quantität von vor dem Eingriff (falls man Schmerzen überhaupt mathematisch erfassen kann).
Ergo sum:   29  x  365   =    10'585   =  mein derzeitiges Alter in Schmerzjahren
Jeder Teil meines Körpers ist betroffen von Stichen, Schnitten, Verbrennungen, Schlägen, Nicht-zu-Beschreibender-Pein und viel, viel Elend mehr. Es gibt Phasen, da erreicht mich sekündlich neue Folter. Die Folgen möge sich jeder selbst ausmalen.
Einer der Nach-OP-Ärzte konstatierte in Anbetracht der chronischen Beschwerden: «Ihr Körper reagierte bei der ETS-OP mit einer Allergie.»
Ich warne eindringlich vor einem Eingriff dieser Art am vegetativen Nervensystem, es sei denn, jemand ist schon Body-Zerstückelungs-Fakir. Ich bin es mittlerweile und fühle mich wie ein Versuchs-Kaninchen für medizinische Experimente. Das KZ der Moderne.
Übrigens, dass man mir Titanium-Clips mit der Operation implantierte, erfuhr ich rein zufällig anlässlich einer Röntgen-Untersuchung… Jahre später. «Hallo Fremder, schön dass Du in mir bist… wie intim!» Noch so ein irrsinniges Trauma. Die Clips stecken wie Pfeile im Rücken, nah an wichtigsten Nervensträngen und dem Rückenmark. Meine tägliche Speisung mit Angstenergie und Sorgen-«Brot».
Weshalb Angstpfeile? Informiert euch selbst über die Themen Handy-Strahlung, Metall-Physik, Elektro-Smog, Mikro-Chips, Implantate, usw..
Ach ja… und wer jetzt noch glaubt, das Ganze sei harmlos, dem sei gesagt, dass Schweden diese OP gesetzlich verbieten liess, was ich natürlich erst durch Selbst-Recherche erfuhr.
Mein erster abschreckender Bericht, den ich vor ca. 15 Jahren in einem WWW-Forum öffentlich machte, ist unauffindbar. Übt da jemand Zensur? Naivität und Unwissenheit kann man besser in Profit ummünzen.
Das Gesundheits-System erscheint mir eh wie eine parasitäre Pyramide: oben beginnt es mit einer ersten Schädigung der Zielperson, in deren Folge sich etliche daran reich verdienen. «Vampire, Stechmücken…»
Wie viele sind Teil dieser Maschinerie, dieser «Geldpresse»?! Die meisten unwissentlich und verstand-programmiert, ok, aber dennoch… hochgradig profitierend. Das ist zeitgenössische Bestechung.
Ich habe vergeben, möchte nicht anklagen, sondern vielmehr Euch warnen, meinen Fehler zu wiederholen! Als junger Mensch fehlte mir damals das schützende Körper-Bewusstsein.
Vielleicht hilft Euch auch, welche Massnahmen mir etwas Abhilfe in der Dauer-Erkrankung geben.
Also, ich empfehle:
Mentales Training, Hypnose, Erdungsprodukte, Barfuss-Life-Style, Naturheilkunde, Akupunktur, Osteopathie, Feldenkrais, psychologische Trauma-Aufarbeitung, den passenden Job, ein gutes soziales Umfeld, Gebet, Therapie mit Tieren, Atemtraining, Sport, Bio-Ernährung mit wenig Tierischem, Heil-Tees und wenig TV-Konsum.
Auch ich suche noch immer Rat. Mir ist, als stünde ich mit dem Thema Reversal-Operation erneut in der Situation wie vor der ETS-OP; derselbe Wunsch – Ende der Qual – dieselben Risiken, nur dieses Mal ein Diskussions-Forum.

Na, dann… was denkt ihr?
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Hallo Katrin. Es ist unbedingt wichtig, dass Du weiterhin versuchst Hilfe zu bekommen. Dabei ist es erst einmal relativ egal, ob diese Hilfsform optimal ist. Denn jede Hilfe ist besser als keine Hilfe.
Ich kann Dir deshalb nur raten über den Tellerrand eines geeigneten Therapieplatzes hinauszuschauen. Bei uns im Kreis gibt es beispielsweise Gruppentherapien aber auch Hilfskräfte aus dem BeWo-Bereich ("Betreutes Wohnen") die Du anfragen könntest.
Diese helfen Dir entgegen der namentlichen Bezeichnung nicht nur beim Wohnen, sondern insgesamt was Dein Leben angeht. Sie hören Dir zu und helfen Dir dabei weitere geeignete Hilfsangebote zu finden und wahrzunehmen.

Wie gesagt… jede Hilfe kann dabei helfen weitere wichtige Schritte zu gehen, sich noch bessere Hilfe suchen zu können.

Vergiss dabei bitte jegliches "ja aber"! Menschen die unter Angst leider oder Depressionen neigen dazu immer ein argumentatives "ja aber" zu finden.
Und bremsen damit vieles an Hilfe aus. Das darfst Du nicht zulassen! Geh stattdessen noch heute oder morgen zu einer Beratungsstelle und versuchen einen Schritt nach vorn zu machen.
Und wenn es mit dieser Beratungsstelle nicht klappt, versuchst Du bitte einfach die nächste.

Hallo Katrin, 

ich kann hier Sascha wieder nur zustimmen!!  Es gibt so viele Hilfsangebote und Du weißt sicherlich, dass sich HILFE suchen ein Zeichen von Stärke ist!! 

Was ich Deinem Text entnehme, so war es das Ende Deiner Beziehung, dass dazu beigetragen hat, dass es Dir wieder schlechter geht. Danke, dass Du auch so offen über DEINE ANGST redest!! Damit bist Du überhaupt nicht alleine! Viele von uns haben in der Kindheit unterschiedliche Erfahrungen in Form von "sich verlassen fühlen" erlebt (manche sogar in der Zeit, an die man sich gar nicht erinnern kann, also in der ganz frühen Phase) und das ist ein Trauma, das immer wieder Ängste hervorrufen kann. Konntest Du in Deiner Beziehung auch darüber reden, wie Du Dich mit der Hyperhidrose fühlst? Ist es vielleicht DIESE Sicherheit, die Dir jetzt fehlt?

Wenn es sich tatsächlich um eine Depression handeln sollte, dann gibt es heutzutage, wirklich gute Medikamente, die Dich aus so einem Tief einmal herausholen! Da kann schon der Hausarzt helfen und/oder ein Neurologe. Katrin, wie alle leben jetzt ja auch in einer Zeit, die ziemlich anstrengend ist und die unterschiedlichen Hilfsangebote helfen uns, damit wir gemeinsam alles besser bewältigen! 

Dass Du das Oxybutinin gut verträgst, ist schon einmal super!! 

Liebe Grüße, Marvie

 

 

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Frank B.

@Lerner

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Created Montag, 28. Oktober 2024 18:15
Zuletzt aktualisiert: %s Dienstag, 30. November -0001 00:53
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