Moin zusammen,
ich war vor Ewigkeiten schon einmal hier im Forum angemeldet und musste mich nun wegen einer neuen E-Mail-Adresse neu registrieren. In den letzten Jahren habe ich meist nur gelegentlich mitgelesen, um zu schauen, ob es neue Entwicklungen gibt.
Heute möchte ich einfach mal meinen aktuellen Stand teilen. Ehrlich gesagt hätte ich mir gewünscht, viele dieser Erkenntnisse schon vor 30 Jahren gehabt zu haben.
A) Über mich
Ich bin Mitte 40 und habe seit meiner Kindheit Hyperhidrose an Händen und Füßen.
Seit meiner Jugend nutze ich Iontophorese. Anfangs mit eher mäßigem Erfolg, seit etwa 15 Jahren jedoch mit guten Ergebnissen.
B) Was bisher gut funktioniert hat
Ich behandle Hände und Füße gleichzeitig: Hände mit dem Pluspol, Füße mit dem Minuspol. In der Regel alle 2 bis 3 Tage für jeweils 15 Minuten.
Zusätzlich schwitze ich gerne mal unter den Armen. Gerade in jungen Jahren führte das häufig zu unangenehmem Körpergeruch. Mein persönlicher Lösungsansatz:
- Achseln rasieren
- Kleidung vor dem Anziehen im Achselbereich mit heißem Dampf bügeln
Irgendwann wurde mir klar, dass häufig nicht die Achseln selbst das Problem sind, sondern die Kleidung, selbst wenn sie frisch gewaschen ist.
C) Meine jüngste Entwicklung
Ausgangslage
Ich würde sagen, dass ich mein Leben grundsätzlich gut im Griff habe: Familie, Job, Freizeit usw.
Ich habe immer versucht, möglichst wenig zu verzichten, und mich deshalb auch unangenehmen Situationen gestellt, besonders in jungen Jahren, als die Behandlung noch deutlich weniger erfolgreich war.
Abgesehen von der Hyperhidrose bin ich gesundheitlich fit. Vielleicht auch deshalb war ich lange nicht mehr beim Arzt. Vor Kurzem habe ich dann einen Gesundheits-Check machen lassen. Dabei wurden ein erhöhter Puls, hoher Blutdruck und ein leichter Herzdefekt festgestellt, der möglicherweise durch den Bluthochdruck entstanden sein könnte. Mir fiel auf, dass ich von Untersuchung zu Untersuchung immer angespannter wurde. Eine Langzeitmessung zeigte schließlich normale Werte außerhalb der Praxis und nachts sogar sehr entspannte Werte. Mit anderen Worten: Weißkittel-Bluthochdruck beziehungsweise stressbedingter Blutdruck beim Arzt.
Für mich war das keine große Überraschung, wenn ich an meine Vorgeschichte mit Mobbing und ähnlichen Erfahrungen zurückdenke. Mein Arzt empfahl mir daraufhin Entspannungstechniken.
Erkenntnis
Obwohl ich die Hyperhidrose mittlerweile recht gut im Griff habe, gerate ich immer noch in Situationen, in denen mich die mögliche Aufmerksamkeit anderer Menschen enorm stresst. Das führt zu einem erhöhten Puls und Blutdruck und vermutlich auch zu verstärktem Schwitzen.
Mein Umgang damit
Bei meinen Recherchen bin ich auf diese Studie gestoßen: Studie zu SCN10A und übermäßigem Schwitzen
Soweit ich es verstanden habe, zeigt die Studie, dass eine NaV1.8-Mutation über eine Überaktivierung sympathischer Nervenzellen zu übermäßigem Schwitzen führen kann. Meine Schlussfolgerung daraus:
Das Schwitzen ist möglicherweise nicht das eigentliche Problem, sondern eher das sichtbare Ergebnis einer Überaktivierung des Nervensystems. Wenn ich meine Gesundheit insgesamt verbessern möchte, sollte ich versuchen, genau diese Überaktivierung zu reduzieren.
Dadurch bin ich auf die Themen Biofeedback, Herzfrequenzvariabilität (HRV), Herzkohärenz, Meditation und schließlich auf Buteyko-Atmung aufmerksam geworden.
Meine aktuellen Bausteine
Neben der Iontophorese setze ich derzeit auf:
- Gesunde Ernährung
- Meditation, Biofeedback und Herzkohärenz
- Buteyko-Atmung inklusive konsequenter Nasenatmung --> https://www.buteyko-deutschland.de/was-ist-buteyko/
- Ausreichend Bewegung, kombiniert mit Buteyko-Atmung
- Kalte Duschen (Wim Hof light)
Vor allem den Einfluss der Atmung auf meinen Körper und mein Schwitzen hatte ich völlig unterschätzt.
Das klingt jetzt nach einem Tag-füllendem Programm, das ist es aber nicht.
- Essensmahlzeiten bleiben Essensmahlzeiten, nur gesünder
- Meditation lässt sich jederzeit in den Alltag (z.B. Wartezeiten) einbauen oder Zeit wird einfach wertvoller genutzt (Meditation statt Handynutzung, die ich übrigens auch stark reduziert habe!)
- Buteyko integriere ich in den Alltag (Fahrradfahren, gehen, jetzt in diesem Moment beim Schreiben auf dem Computer)
- Bewegung: Fahrrad statt Auto etc.
- Dusche bleibt Dusche -> jetzt kalt
Natürlich möchte ich den Tag nicht vor dem Abend loben. Aber innerhalb kurzer Zeit ist es mir gelungen, mein Stressniveau deutlich zu senken und damit auch das Schwitzen, unabhängig von der Iontophorese und sogar an anderen Körperstellen, nahezu zu normalisieren.
Einfach gesagt: Ich habe ein natürliches Biofeedback-System eingebaut bekommen.
Sobald ich merke, dass meine Schweißdrüsen „hochfahren“, mache ich z.B. Folgendes (Buteyko folgend):
- Nach dem Ausatmen etwa 10 Sekunden die Luft anhalten
- Anschließend langsam und flach weiteratmen
Allein das reicht mittlerweile oft aus, damit ich mich sofort beruhige und das Schwitzen gar nicht erst richtig beginnt.
Während ich diesen Beitrag schreibe, sitze ich barfuß vor dem Rechner. Früher wäre das für mich unvorstellbar gewesen, zumal ich die Füße nur mit dem Minuspol behandle und sie deshalb immer etwas stärker geschwitzt haben als die Hände.
D) Zum Schluss
Der Beitrag ist länger geworden als geplant, und eigentlich steckt noch viel mehr dahinter, was man dazu sagen könnte.
Falls Interesse besteht, beantworte ich gerne Fragen, entweder hier im Thread oder per PN.
Besonders interessieren würden mich Erfahrungen anderer mit:
- Biofeedback
- Herzkohärenz
- Meditation
- Buteyko-Atmung in Verbindung mit Hyperhidrose
Ich freue mich auf den Austausch!
Viele Grüße
Dovex :-)