Oxybutynin des Grauens

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Liebe Mitleidenden,

ich habe vor etwa sechs Jahren eine irreversible ETS durchführen lassen. Im alten Forum hatte ich von der kompensatorischen Schwitzhölle berichtet, in der ich seit der ETS gefangen bin. Ich versuche seitdem, es mit allen Mitteln zu bekämpfen. Dass das ein echt schwieriges Unterfangen ist, das brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen, tue es aber trotzdem.

Ich bin mittlerweile bei Oxybutynin gelandet. Es hilft super gegen die KS, aber die Nebenwirkungen machen mich echt fertig. Ich bin unglaublich müde, leide an Vergesslichkeit und irgendwie auch an depressiven Verstimmungen. Mit Verstopfung, einem trockenen Mund und trockenen Augen kann ich leben. Was ich aber nicht in Kauf nehmen möchte, sind kognitive Beeinträchtigungen, weder kurz- und schon gar nicht langfristig. Eigentlich finde ich's auch beunruhigend, dass Hautärzte bereit sind, dieses Medikament bei HH als Dauermedikation anzuordnen.

Hat irgendjemand dieses Zeug jemals langfristig gut vertragen? Haben die Nebenwirkungen bei irgendwem nachgelassen?Lebt irgendjemand seit Jahren mit den Nebenwirkungen und ist trotzdem arbeitsfähig? Hat jemand Glycopyrrolat als Alternative ausprobiert? Wenn ja, hat's dann was gebracht?

Ich freue mich, wenn ihr eure Erfahrungen mit mir teilt. Ich bin gerade echt resigniert und fühle mich ziemlich alleine. Vom Austausch mit Betroffenen erhoffe ich mir, mich wieder ein bisschen mit anderen verbunden zu fühlen.

Eure sweato

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Hallo Sweato

frage: hast Du früher mal Belladonna Tropfen probiert? Bei Bedarf anwendbar?

Hi!

Nebenwirkungen treten ja recht unterschiedlich auf. Den einen treffen sie hart, andere betrifft es wenig bis gar nicht.

Ich nehme es die Sommermonate durch und habe Erfolg damit. Ich reize es aber nicht aus. Ich fange im April mit dem Hochdosieren an, so dass ich Ende April bei 3 x 2,5 mg bin. Einzig der trockene Mund kommt leicht auf. Ab Mai gehe ich morgens und mittags auf 5 mg und abends bleibe ich bei 2,5 mg. Trockener Mund ist dann stärker, aber tolerierbar. Kognitiv merke ich es minimal, aber ich weiß ja woher es kommt!

 Ich bin damit nicht nur arbeitsfähig, sondern vor allem wieder lebensfähig. Dass die NW am Ende der Sommersaison nachlassen, kann ich leider nicht bestätigen. Nach dem Absetzen verschwinden sie aber zügig.

Ein guter Arzt wägt übrigens ab, ob und wie er Dir so ein Medikament verschreibt. Als ich meinen Leidensdruck beschrieben habe (den ja viele hier haben!!), stand der Verschreibung nichts im Weg.

Feuchte Grüße 

Hi Hydromat,

danke, dass du deine Erfahrungen und deinen Dosierungsschlüssel hier teilst. 

Du hast recht, dass jeder Körper auf Medikamente unterschiedlich reagiert und die Dosis individuell angepasst werden muss. Ich verstehe auch total, dass du im Sommer den Weg mit Oxybutynin gehst, um deine Lebensqualität zu erhöhen. Ich weiß schließlich selbst, welche enorme psychische Belastung diese Schwitzhölle darstellt (insbesondere nach einer ETS).

Aber: die Sache hat leider einen großen Haken. Die Studienlage, die wissenschaftlich eindeutig belegt, dass Oxybutynin bei Langzeiteinnahme das Demenzrisiko signifikant erhöht, ist mittlerweile wirklich erdrückend - und gilt leider für jedes Gehirn. 

Das hat damit zu tun, dass der Wirkstoff  die Blut-Hirn-Schranke problemlos passiert (um dort wichtige Neurotransmitter zu blockieren). Wenn du schreibst, dass du es "kognitiv" minimal merkst, ist genau das der Effekt im Gehirn, den das Oxybutynin verursacht. 

Auch wenn die Nebenwirkungen nach dem Absetzen im Herbst schnell verschwinden, kann die chronische, wiederholte Blockade der Transmitter mit den Jahren leider, leider bleibende Spuren hinterlassen. Dein Gehirn merkt sich schlichtweg, dass du Oxybutynin eingenommen hast - auch wenn du es über viele Jahre nur im Sommer anwendest.

Ein "guter" Arzt ist für mich daher derjenige, der sehr genau über dieses Risiko aufklärt und statt Oxybutynin ein modernes Anticholinergikum verschreibt. Moderne Anticholinergika (wie zum Beispiel Glycopyrrolat, das medizinisch sicher und ganz legal aus den USA in Tablettenform über die Apotheke importiert werden kann, bis Vagantin wieder verfügbar ist) sind ebenso wirksam wie Oxybutynin, lassen das Gehirn aber komplett in Ruhe. 

Die Planung der Einnahme rund um die Mahlzeiten (die bei allen modernen Anticholinergika strikt durchgeführt werden muss, damit der Wirkstoff in ausreichender Menge vom Körper aufgenommen werden kann) ist zwar echt nervig und erfordert ein top Zeitmanagement. Ich kaufe aber dafür die Gewissheit ein, dass mein Gehirn dadurch langfristig nicht systematisch zerstört wird. Mir persönlich ist es das Wert.

Ich möchte dir keine Angst machen und du bist alt genug, um das Risiko für dich selbst abzuwägen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, hier Denkanstöße zu geben, damit sich jede:r hier über mögliche Langzeitfolgen bewusst wird und "gesunde" Entscheidungen treffen kann.

@Tapir: Hallo auch an dich,

Belladonnatropfen haben bei mir überhaupt nichts bewirkt. Hintergrund: mein kompensatorisches Schwitzen ist die Folge einer ETS. Damit ist die Ursache sicher rein neurologisch, bzw. chiurgisch bedingt. Belladonna ist für dieses Ausmaß bei mir leider viel zu schwach. Trotzdem Danke für deinen Impuls.

Grüße aus meiner Dachwohnung,

eure sweato

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sweato_saurierin

@sweato_saurierin

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Created Donnerstag, 04. Juni 2026 18:53
Zuletzt aktualisiert: %s Dienstag, 30. November -0001 00:53
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Therapie: Innere Anwendungen

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