Entspannungstechniken / Wim-Hof-Methode

Kategorie: Freie Themenwahl einem Monat her

Auch ein Thema, das mir am Herzen liegt. Und keine Angst, danach höre ich auf, das Forum mit Artikeln zu überschwemmen :)

Als ich vor mehr als 15 Jahren mit der Suche nach einer Hyperhidrosetherapie angefangen habe, wurde mir das Autogene Training empfohlen. Seither habe ich die eine oder andere (mehr oder weniger abenteuerliche) Entspannungstechnik ausprobiert. Ein Erfahrungsbericht. (Meine HH: Füsse, Hände, Achseln, Schritt. Primär. Hände seit knapp einem Jahr dank ETS trocken).

Ich bin bestimmt nicht der einzige, der den steinigen, hilfreichen und manchmal lächerlichen Weg zur Erleuchtung (oder immerhin zu trockenen Händen) ausprobiert hat. Was sind eure Erfahrungen?
Ein Austausch würde mich freuen!

 

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  • AW: Entspannungstechniken / Wim-Hof-Methode

    von » einem Monat her


     

    Autogenes Training: Auf Anraten eines Arztes ein naheliegender Versuch, um HH zu lindern. Die HH rührt bekanntlich aus einer (unerklärten) Überfunktion des vegetativen Nervensystems, und das AT ist genau zur Beruhigung des vegetativen Nervensystems gedacht.
    Es war mein 1. Versuch mit einer spezifischen Entspannungstechnik. Meine HH war damals sehr akut. Von aussen sah mein Leben ziemlich normal aus, aber das Schwitzen hatte mich schon stark angegriffen. In einem ersten Moment brachte mir das AT eine gewisse Erleichterung, kleine Auszeiten in der allgemeinen Panik, damit ich durchatmen und einschlafen konnte.
    Aber ich wollte mehr – ich wollte trockene Hände. Und da kam das AT auch schon an seine Grenzen bzw. wurde kontraproduktiv. Die Entspannung reichte selbst bei guter Praxis nicht aus, um meine Hände zu trocknen, nicht mal kurzfristig, und je verbissener ich mich entspannte, desto schlechter klappte es.
    Ein weiterer Negativpunkt: Man versenkt sich mit dem AT immer mehr in seine Psyche, seinen Körper. Mich hat diese Konzentration auf meinen (feuchtkalten) Körper eher isoliert als befreit.

     

     

    Meditation: Auf einem Kissen sitzen und einfach auf die Atmung achten ging gar nicht. Auch da eher eine Versteifung auf Schweiss und Schmerz als eine Erleichterung.

     

     

    Qi-Gong: Leichte Bewegung. War nicht schlecht – hat mich oft aus dem grössten Stress rausgeholt. Mehr aber auch nicht.

     

     

    Psychofonie: Eine der abenteuerlichen Methoden. Die eigene Gehirnmusik, wenn man sie denn so nennen kann, als Entspannung. Man lässt dazu die Gehirnströme im Ruhezustand aufzeichnen, daraus wird eine Art Musik abgleitet, die auch später das vegetative Nervensystem beruhigen soll
    Keine krassen Effekte, aber auch das konnte die Stressspitzen etwas abflachen und ich höre die Samples immer noch manchmal, um einzuschlafen. Vielleicht könnte ich auch einfach das Rauschen aus dem WhiteNoise-APP für unseren Kleinen hören, aber irgendwie habe ich die ausserirdische Musik meines Gehirns liebgewonnen.

     

     

    Kohärentes Atmen: Leichtes, gleichmässiges Atmen. 5 Sekunden ein-, 5 Sekunden Ausatmen. War am Anfang begeistert, wie stark dieses Atmen mich im Moment beruhigen konnte. Der Effekt hat dann aber nicht angehalten, weder im Tagesverlauf noch beim weiteren Training über die Monate hinweg. Als Abwechslung aber immer noch nett.

     

     

    Progressive Muskelentspannung nach Jacobson: Auch da war ich zu Beginn begeistert, auch in Bezug auf meine Verspannungen. Die Idee ist simpel: Um entspannen zu können, muss man zuerst anspannen. Erholung ist nicht einfach Erschlaffen, sondern das Gleichgewicht zwischen Spannung und Anspannung. Man spannt eine Muskelgruppe nach der andern an und lässt los. Gute Methode z.B. auch zum Einschlafen! Half bei der HH leider nicht allzu weit.

     

     

    Massage-Pistole: Eine Entspannungstechnik im wahrsten Sinn des Wortes. Viele Atemtechniken haben eines gemeinsam: Ihre Verfechter gehen davon aus, dass die Anwender, mit etwas Übung, Atmen können. Aber viele Leute sind so verspannt, z.B. im Brustkorb, also in der Atemmuskulatur, dass tief einatmen auch mit der besten Atemtechnik und den positivsten Gedanken schlicht nicht möglich ist. Verspannte Muskeln und Bindegewebe stehen im Weg (sehr eindrücklich beschrieben von der ehemaligen Psychotherapeutin und heutigen Körpertherapeutin Helga Pohl). Mein Hilfsmittel, um die Blockaden zu lösen, sind Massagepistolen (Kleiner Praxistipp: die Massagegun nicht einfach auf dem Muskel rumhopsen lassen, sondern den Muskel seitlich bearbeiten. Man nehme dazu z.B. eine Blackroll, und klemme den Muskel zwischen Blackroll und laufender Massagepistole ein – so erwischt man die Verspannung bestimmt!).

     

     

    Psychotherapie: Auch noch ein Wort dazu, auch wenn es keine Entspannungsmethode im engeren Sinn ist. Der Psychologe hat mir bei einigen Beziehungsproblemen weitergeholfen, aber seine Einschätzung der HH war katastrophal („Wenn Sie ganz entspannt sind… / Die  HH als Freund empfangen…“). Er hat das Schwitzen psychologisiert und ich suchte dann nach Ursachen, nach Traumata, die nicht existierten, nur um eine Erklärung für meine HH zu finden. Meine HH ist primär und nicht, um es etwas plakativ zu formulieren, durch eine allfällig problematische Beziehung zu meiner Mutter zu erklären. Ans vegetative Nervensystem kommt man (zumindest ich) auch mit der tiefsten Tiefenpsychologie nicht ran.

     


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    von » einem Monat her


    Wim-Hof-Methode

    Tatarara – Trompeten – Trommelwirbel – die Wim-Hof-Methode!
    Hier möchte ich nun doch eine Lanze brechen! :)

    Wenn ich auch auf dem roten Sofa nicht an meinen Sympathikus herankomme, dann doch mit der Wim-Hof-Atmung. Zumindest komme ich näher, als mit allem anderen.

    Wim Hof ist ein Extremsportler aus Holland, der stundenlang im Eiswasser sitzt. Er behauptet, mit seiner Atmung das vegetative Nervensystem zu beeinflussen. Dabei stimmt lange nicht alles, was er behauptet, aber es gibt auch Studien, die das eine oder andere belegen. Natürlich sind auch die (wie jede Studie) angreifbar, aber es ist bestimmt etwas dran.
    Die Methode besteht aus Eisbaden und einer Atemtechnik, bei der sich eine Art Hyperventilieren mit Luftanhalten abwechselt. (mehr dazu und an dieser Stelle gut erklärt: https://matthiaswittfoth.de/wim-hof-methode/ )

    ACHTUNG: Wim-Hof-Atmung nie im Wasser machen – man kann dabei das Bewusstsein verlieren!)

    Mir gefällt  das Winterbaden bzw. kalt duschen. Für die HH ist, denke ich, v.a. die Atemmethode hilfreich. Es ist immer schwierig, bei der HH Ursache und Wirkung zuzuordnen. Aber wenn ich mich nicht ganz täusche, kann ich damit Schweisszustände lindern und oft ganz stoppen bzw. vorbeugen. Ich mache sie nun seit gut drei Monaten mindestens einmal täglich.

    Dem HH-Forum von reddit sind übrigens unterschiedliche Erfahrungen zu entnehmen. Einige erzählen, sie hätten ihre HH dank Wim Hof besiegt. Andere sagen, sie würden nach der Methode mehr schwitzen. Wenn man bedenkt, dass sie eingesetzt wird, um Wärme zu erzeugen (bzw. um Kälte auszuhalten), scheint das erstmal wenig erstaunlich. Allerdings berichten auch viele Leute, dass sie nicht nur Kälte besser aushielten, sondern auch Wärme, die Methode sei nicht spezifisch aufs Eiswasser ausgerichtet. Sie helfe grundsätzlich, die vegetative Reaktion des Körpers zu kontrollieren.

    Mir hilft die Methode und man kann sie einfach mal ein paar Wochen ausprobieren. Ich hatte sehr schnell Resultate.
    Am Anfang wurde mir eher heiss, und ich dachte, ich würde mehr schwitzen, aber nach einer Woche war das vorbei.
    Ich schwitze weniger.

    Übrigens habe ich alles im Internet erlernt, gratis und ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

    Fazit: Entspannungstechniken können auch Nebenwirkungen haben, v.a., wenn man zu viel will (z.B. noch stärkere Fokussierung auf die HH). Ich glaube nicht, dass man eine starke HH mit einer Entspannungstechnik wirklich in den Griff kriegt. HH ist eine Naturgewalt, meine zumindest, aber man kann sie eindämmen. Bei mir ist auch die Wim-Hof-Methode kein Ersatz für eine effektive HH-Behandlung. Aber sie hilft enorm.


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